„Stop the Slop": Fünf Plattformen gehen gegen reine KI-Inhalte vor.

Snapchat empfiehlt keine vollständig erzeugten Videos mehr, YouTube zahlt kein Geld mehr dafür, Spotify hat 75 Millionen Titel gelöscht. LinkedIn hat sogar sein eigenes Schreibwerkzeug abgeschafft.

Daniel Klantke · 3. August 2026 · 4 Minuten Lesezeit

„Stop the !" Mit diesen drei Wörtern hat , der Vorstandsvorsitzende von Snap, am 31. Juli den Umbau seines wichtigsten Feeds angekündigt. Videos, die komplett von einer künstlichen Intelligenz stammen, empfiehlt Snapchat seitdem niemandem mehr.

Verboten sind sie nicht. Wer solche Clips hochlädt, darf das weiter tun. Sie landen dann nur noch bei den Leuten, die dem Konto ohnehin folgen.

Snap begründet das so: Schlechte und sich wiederholende KI-Inhalte würden im Netz immer häufiger. , der öffentliche Videobereich der App, solle ein Ort bleiben, an dem Menschen echte Kreativität von echten Menschen entdecken.

Eine Ausnahme gibt es. Wer ein Video mit den KI-Werkzeugen von Snapchat bearbeitet, wird weiter empfohlen. Solche Beiträge bekommen nur einen sichtbaren Hinweis darauf, dass eine KI beteiligt war.

Vier Plattformen waren schneller als Snapchat

Snap war damit nicht der Erste. Vier andere Plattformen hatten seit Mitte Juli schon dasselbe entschieden.

Ich halte das für den Wendepunkt.

YouTube hatte bereits am 16. Juli seine Monetarisierungsregeln umbenannt. Aus „repetitious content" wurde „inauthentic content". Damit meint YouTube seither ausdrücklich auch Videos, die jemand mit künstlicher Intelligenz, Computergrafik oder Vorlagen in Serie produziert. Wer das tut, bekommt kein Geld mehr aus dem .

Vier Tage später nannte Spotify eine Zahl: Der Dienst hat mehr als 75 Millionen Titel gelöscht, weil er sie für Spam hielt. Täglich kommen dort nach eigenen Angaben rund 100.000 neue Titel dazu.

Am 30. Juli schließlich hat LinkedIn einen Meldeknopf eingeführt. Er heißt „Seems like AI slop." Wer darauf klickt, hilft LinkedIn dabei, solche Beiträge künftig selbst zu erkennen. Gemeldete Beiträge bekommen weniger Reichweite.

Im Wortlaut

Was die fünf Häuser selbst dazu sagen

Fünf Zitate aus den Ankündigungen, in der Reihenfolge ihres Erscheinens. Sie stehen so nicht im Text oben.

Matt Halprin YouTube, Vertrauen und Sicherheit

„KI erlaubt Menschen tatsächlich, viele Videos zu machen. Manchmal sind diese Videos großartig und steigern die Kreativität wirklich.“

Die Zitate stammen aus den unten verlinkten Quellen, aus dem Englischen übertragen. Der Balken zeigt nur die Reihenfolge, er misst nichts.

90.000 KI-Songs am Tag, drei Prozent der Abrufe

Einen Tag nach Spotify veröffentlichte der französische Musikdienst Deezer Zahlen. Sie erklären, warum es die Plattformen so eilig haben.

Im Juni stammte dort mehr als die Hälfte aller neu hochgeladenen Titel von einer künstlichen Intelligenz, im Schnitt rund 90.000 Titel am Tag. Im April waren es 44 Prozent und 75.000 Titel.

Gehört wird diese Musik kaum. Auf sie entfallen ein bis drei Prozent aller abgespielten Titel.

Deezer sorgt allerdings selbst dafür, dass es dabei bleibt. Erkannte KI-Titel nimmt der Dienst aus seinen Empfehlungen und aus den Redaktions-Playlists.

Und wo diese Titel doch abgerufen werden, hört oft überhaupt niemand zu. Bis zu 85 Prozent dieser Abrufe seien im Jahr 2025 betrügerisch gewesen, heißt es in demselben Bericht.

Keine Plattform verbietet KI

Keine der fünf Plattformen verbietet künstliche Intelligenz. Snapchat bietet sogar eigene Werkzeuge dafür an.

Am deutlichsten zeigt das LinkedIn am eigenen Produkt. Am 30. Juli hat der Dienst „Enhance your post" abgeschafft, die Funktion, die einen Beitrag umgeschrieben hat. An ihrer Stelle steht jetzt ein Korrekturwerkzeug. Es verbessert Grammatik und Rechtschreibung. Den Ton des Verfassers lässt es in Ruhe.

LinkedIn hilft also weiter beim Schreiben. Schreiben soll man aber selbst.

Den Plattformen geht es also nicht darum, ob eine KI im Spiel war. Es geht darum, ob sie die Arbeit ersetzt hat.

Kreativität ist gerade knapp geworden

Jahrelang wurde diskutiert, ob künstliche Intelligenz Kreative ersetzt. Fünf Unternehmen haben in gut zwei Wochen geantwortet, indem sie ihre Empfehlungssysteme umgebaut haben.

Wenn sich alle Inhalte ähneln, wird das Eigene mehr wert. Beweisen lässt sich das nicht. Aber was es im Überfluss gibt, wird billig. Und seit diesem Juli sortieren fünf große Plattformen so, dass man die Ausnahmen leichter findet.

Es gibt einen Einwand, der genauso plausibel ist. Vielleicht wird gar nicht die Kreativität knapp, sondern die Verteilung. Wer schon Reichweite hat, gewinnt auch die neue Sortierung, egal wie gut die Arbeit ist.

Ausschließen lässt sich das nicht. Wer auf Qualität setzt, verlässt sich am Ende darauf, dass fünf Konzerne sie auch erkennen.

Künstliche Intelligenz und Kreativität gehen für mich Hand in Hand, als Werkzeug und nicht als Ersatz. Wer dieses Werkzeug richtig einsetzt, potenziert damit die eigene Kreativität.

Zeit spart man damit auch. Wichtiger sind aber die Ideen, für die vorher keine Zeit war.

Wer drei Ideen ausprobieren kann, nimmt die beste von dreien. Wer zwölf ausprobieren kann, kommt überhaupt erst auf die zwölfte.

Für alle, die etwas Eigenes zu sagen haben, ist das eine gute Nachricht: Eine eigene Idee war lange nicht mehr so viel wert.

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Daniel Klantke · KI-Beratung für Unternehmen und Gründer · klantke.com/blog/plattformen-gehen-gegen-reine-ki-inhalte-vor

Quellen

  1. Snap Inc.: Rewarding Authentic Creativity on Spotlight, 31. Juli 2026. Vollständig KI-erzeugte Videos ab diesem Monat nicht mehr empfehlungsfähig, mit Snap-Werkzeugen bearbeitete Inhalte bleiben es mit Transparenzkennzeichnung. Zahl der Spotlight-Beitragenden weltweit über 120 Prozent höher als im Vorjahr.
  2. Forbes, Gabriela Linzainescu: Snapchat And LinkedIn Launch New Tools To Curb AI Slop In Feeds, 3. August 2026.
  3. TechCrunch: Snapchat no longer rewards fully AI-generated Spotlight content, 31. Juli 2026.
  4. TechCrunch: YouTube clarifies policies around AI slop and upsetting videos, 20. Juli 2026, zur Regeländerung vom 16. Juli.
  5. TechCentral: Spotify removes 75m AI slop tracks from its platform, 20. Juli 2026. Über 75 Millionen entfernte Titel, rund 100.000 neue Titel am Tag, nach Angaben von Sam Duboff.
  6. Deezer Newsroom: AI Music Tops 50% of Daily Uploads, Juli 2026. Über 50 Prozent der Uploads im Juni, Monatsdurchschnitt 90.000 Titel, ein bis drei Prozent der Streams, bis zu 85 Prozent betrügerische Abrufe im Jahr 2025, Erkennungsgenauigkeit 99,8 Prozent.
  7. TechCrunch: LinkedIn adds a button to report AI-generated slop, 30. Juli 2026. Meldeknopf, Ablösung von „Enhance your post" durch ein Korrekturwerkzeug, Zitat von Hari Srinivasan.